Schön, dass Du vorbei schaust...

Hallo und herzlich Willkommen in meiner Welt!
Hier schreibe ich über die Dinge, die ich so erlebe, Lustiges, Kurioses, Ärgerliches... Über all das, was jedem von uns jeden Tag im Alltag widerfährt und wo man vielleicht denkt, wieso schreibt da eigentlich nicht mal einer drüber?
Was ich schreibe, kann man gut finden, muss man aber nicht. Kann man kommentieren, muss man aber nicht. Frei nach dem Motto: Alles geht, nichts muss.

In diesem Sinne: viel Spaß!
Deine Violet
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Sonntag, 6. Februar 2011

Stell' Dir vor, es ist Wahl und keiner geht hin...

Hier in Hamburg wird ja am 20. Februar die Bürgerschaft neu gewählt. Und da hat man im Moment das Gefühl, sämtliche Parteien haben ihre Sparstrümpfe aufgeribbelt und das Geld für Werbeplakate ausgegeben.

Man kann kaum treten, ohne dass einen einer der Bürgerschaftskandidaten anlächelt (FDP), angrinst (ÖDP) oder ernst und vertrauenheischend anschaut (SPD).

Am meisten nervt mich derzeit das Wahlplakat der FDP mit der Bürgerschaftskandidatin KatJA (wahnsinns Wortspiel übrigens…) Suding.


Ich meine, worum geht es da?!? Will sie in die Bürgerschaft oder in den Otto-Katalog? Soll ich sie wählen oder die Regenjacke kaufen? Was soll ich denn von einer Politikerin halten, die posiert, als stünde sie vor einem von Heidi Klums Fotografen-Freunden?
Aber sie ist halt hübsch und sie möchte gerne Politik machen und da ist sie dann eben in die FDP eingetreten und nun darf sie mit der Westerwelle zum Galadinner und wer weiß, vielleicht wird sie mal Familienministerin.

Der Kandidat der SPD, Olaf Scholz setzt da mehr auf lässige Seniorität. Ich soll ihm einfach mal vertrauen, er macht das dann schon. Ernst, manchmal mit einem leichten Lächeln blickt er mich an und verschlagwortet seine Regierungsziele auf dem Plakat mit Begriffen wie „Vertrauen“. „Verantwortung“. „Vernunft“. Na ja.

Ganz anders hingegen der ÖDP-Kandidat, der in Bayern den Volksentscheid für das totale Rauchverbot in Kneipen und Gaststätten durchgesetzt hat. Der hat vermutlich der plakat-entwerfenden Werbeagentur einfach irgendein Privatfoto gegeben, vor dessen Aufnahme er nicht mal in den Spiegel geschaut hat, geschweige irgendeinen Aufwand betrieben hat, um senior bzw. positiv rüber zu kommen.

Nur bei den Linken ist niemand drauf zu sehen, die beschränken sich auf knackige Parolen wie „Hartz IV abwählen“ und „Reichtum besteuern“ (na ja, jeder so, wie er’s mal gelernt hat, näch…).

Ich weiß, Wahlwerbung muss ja sein, sonst sind noch Wahlen und keiner geht hin oder man geht hin und, oh Schreck, weiß nicht, wen man wählen soll… Aber dieser Plakatierungswahn im Moment ist einfach nur anstrengend.

Montag, 25. Oktober 2010

Wo bin ich und welches Jahr haben wir?

Hamburg ist eine Stadt, die gern und viel von Touristen und Geschäftsreisenden besucht wird.
Jedenfalls kommt es mir so vor, wenn ich mit dem Auto unterwegs bin, als sei jedes zweite Autokennzeichen nicht HH, sondern K, B, BO, PCH, M, S, LÖ und so weiter und so fort.

Und wenn ich so ein Kennzeichen vor mir habe, bekomme ich spontan Lust, mein Auto zu verlassen und den Fahrer im Wagen vor mir (rattan rattan radadadatan...) zu verhauen.
Denn aus irgendwelchen, mir nicht ganz nachvollziehbaren Gründen vergessen die Autofahrer mit dem Nicht-HH-Kennzeichen sämtliche Verkehrsregeln, sobald sie die Grenze ihrer Heimatstadt verlassen (der von mir bereits beschriebene Kiez-Effekt??)

Da wird maximal 20 kmh gefahren, wo man 50 fahren darf, ohne ersichtlichen Grund an grünen Ampeln gebremst, Vorfahrtsregeln nicht beachtet (rechts vor links gilt unfassbarerweise auch in Hamburg, kaum zu glauben!), Zebrastreifen ignoriert, Spuren lebensgefährlich ohne Blinker,Schulterblick und Rücksicht auf Verluste gewechselt, da wird geschnitten und übersehen, dass es die helle Freude ist.

Und besonders übel fahren die Fahrer mit den großen Schlitten, die entweder genügend Kohle für ein Navigationssystem haben oder dieses sogar serienmäßig in der Ausstattung ihres Wagens integriert haben. Diese Fahrer müssen doch gar keine Straßenkarten parallel zum Autofahren studieren, weshalb fahren sie dann wie die letzten Deppen? (Weil sie's können, würde mein Göttergatte jetzt grinsend einwerfen...)

Daher mein Appell an alle Nicht-Hamburger-Autofahrer: ich verstehe, Ihr seid fremd in der Stadt, wisst nicht genau, wo Ihr hin müsst und es ist alles auch größer und aufregender als Nottuln-Appelhülsen. Aber bitte: die allgemeinen Verkehrsregeln gelten auch in Hamburg! Also gebt bitte Gas, fahrt zügig über grüne Ampeln, schaut mal über Eure Schultern und setzt den Blinker, bevor Ihr von gaaaanz links nach gaaaanz rechts überzieht, weil Euch grad klar geworden ist, dass Ihr in 500 Metern rechts abbiegen müsst, beachtet Stop- und Vorfahrtschilder und haltet nicht den gesamten Verkehr auf. Die Hamburger, allen vorweg meine Wenigkeit, werden’s Euch danken!

Freitag, 24. September 2010

Sage mir, wo Du wohnst und ich sage Dir, wer Du bist!

Hamburg ist eine Weltstadt. Das Tor zur Welt mit seinem Hafen, Metropolregion. Weltoffen, modern, liberal.

So sagt man. Ist aber totaler Quatsch. Hamburg ist ein Konglomerat von Stadtteilen und Kiezen, die miteinander wenig zu tun haben und dies auch nicht wirklich wollen. Denn der Hamburger bleibt da, wo er wohnt. Wo er seinen Kiez hat. Dort wird eingekauft, ausgegangen, dort leben alle Freunde und das gesamte soziale Netzwerk, dort gehen die Kinder in den Kindergarten und zur Schule und dort trifft man sich auf den Spielplätzen.

Die Menschen sind in der Regel ziemlich stolz auf ihren Stadtteil und würden sich eher drei Wochen lang kopfüber irgendwo aufhängen lassen, als in einen anderen Stadtteil umzuziehen. Ja, es fällt ihnen teilweise schon schwer, den Stadtteil zu verlassen, weil sie in einem anderen Stadtteil arbeiten (ist unwahrscheinlich, kann aber passieren) oder dort ein Geschäft mit Dingen ist, die es auf ihrem Kiez nicht gibt (auch unwahrscheinlich, zumal die Anpassungsfähigkeit enorm groß ist und lieber nach einem auf dem Kiez vorhandenen Alternativprodukt gesucht wird).

Wenn es dann aber doch mal passiert, dass, sagen wir mal, der eingefleischte St. Paulianer seine Komfortzone verlassen muss, fremdelt er doch sehr und fühlt sich derartig unwohl, dass er die Abwesenheit von daheim so kurz wie nur irgend möglich hält.

Natürlich gibt es so was wie assoziierte Stadtteile, also Stadtteile, in die man, wenn man denn den eigenen verlassen muss, eher geht als in andere. Da wird dann zwar auch gefremdelt, aber nicht ganz so stark und man hält es ein wenig länger aus. Sprich, der Winterhuder erträgt die Abwesenheit aus seinem Stadtteil am besten in Eppendorf, gegebenenfalls noch in Eimsbüttel und der Altonaer kann in Ottensen und Bahrenfeld noch einigermaßen frei atmen.
Aber der Ausflug in einen gaaaanz weit entfernten und wohlmöglich in den Norden oder Osten der Stadt wie zum Beispiel nach Barmbek oder Wandsbek löst Panikattacken aus (nicht umsonst gibt es das geflügelte Wort: „Wandsbek, Hamm und Horn schuf der Herr im Zorn…“).

Nein, da ist man schon eigen. Und man zeigt auch seine Zugehörigkeit zu seinem Stadtteil, in dem man die entsprechende Uniform des Kiezes trägt.

In Winterhude und Eppendorf ist das die Bluse oder das Hemd von Ralf Lauren, gerne zart gestreift, der Pagenkopf oder der Pferdeschwanz für die Damen, vorzugsweise in blond, Schuhe von Tods oder Lumberjacks (ja, tatsächlich, es gibt sie noch, ein Relikt der 80er Jahre…), der sogenannte Sylter Kringel, ein locker um die Schultern geschlungener Pullover und das Polohemd mit dem hochgestellten Kragen. Eingekauft wird ausschließlich in den kleinen Boutiquen im Stadtteil, wozu woanders hinfahren, hier gibt es ja alles für die Uniform.

In Altona, Ottensen und Bahrenfeld kommt man eher alternativ gestylt daher, also in mit umweltfreundlichen Naturfarben gefärbter kbA-Baumwolle, Birkenstocks oder Outdoor-Sandalen, Shorts und Hosen aus Leinen-Baumwollmischungen in khaki, beige oder matt dunkelblau, weit geschnitten für die Damen, etwas schmaler geschnitten für die Herren. Man kauft ein bei Hess Natur oder Maas, natürlich auch für die Kleinen! In diesen Stadtteilen sieht man auch verstärkt Tragetücher für die Babys, ist irgendwie natürlicher und ursprünglicher als die Tragegurte (die, wenn man die dann aber doch nutzt, von Ergo-Carrier, Manduca oder Bondolino stammen, natürlich auch aus kbA-Baumwolle, klar!).

Auf St. Pauli, im Karoviertel und in der Schanze läuft man eher grungig durch die Gegend. Sprich, man muss dem Kleidungsstück ansehen, dass es schon einiges erlebt hat. Daher wird auch eigentlich nur im Secondhandladen, auf dem Flohmarkt oder im Kilo-Shop vom Roten Kreuz gekauft. Je schrammeliger desto besser. Man wohnt in kleinen, zugigen Altbauwohnungen mit defekten Heizungen und abgerockten Treppenhäusern, denn nur so kommt ein wenig „Hafenstraße-Feeling“ auf und das muss sein.
An dieser Stelle muss man allerdings sagen, dass die Schanze sich gerade in einem Umbruchprozess befindet und sich sozusagen zwischen die Stühle gesetzt hat, denn es ziehen zunehmend die von der alternativen Szene so verhassten Yuppies in die neugebauten Eigentumswohnungen, um dann mit ihrem ihren Nachwuchs im Bugaboo-Kinderwagen zu den teuren und mit alternativen Touch versehenen Kinderboutiquen wie „Zaza“, „Lille Folk“ und dem „Nasenbär“ zu fahren.

Eimsbüttel und die angrenzende Hoheluft waren Studiviertel, sind Studiviertel und werden auch immer Studiviertel bleiben. Hier ist Hamburg tatsächlich noch am weltoffensten, denn wer hier wohnt, tut dies in der Regel nur vorübergehend, nämlich solange er studiert. Er kommt von woanders und geht nach dem Studium wieder, also sind seine Berührungsängste bezüglich anderer Stadtteile noch am geringsten.
Allerdings kann es natürlich passieren, dass er in Hamburg hängen bleibt. Dann tritt der Kiez-Effekt über kurz oder lang ein und er wird Eimsbüttel nie wieder verlassen, höchstens in Richtung Hoheluft.

Und so hat jeder der 105 Hamburger Stadtteile seinen Kiezeffekt mit seinen Menschen und ihren Eigenheiten. Ist man zugereist, wundert man sich am Anfang und schmunzelt vielleicht auch ein bisschen. Aber es dauert meist nicht lange, bis der Borg-Effekt eintritt: „Sie wurden assimiliert!“