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Deine Violet
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Samstag, 12. Februar 2011

Stell Dir vor es ist Wahl und keiner geht hin, Teil 2

Wie ja bereits erwähnt, sind hier in Hamburg dieser Tage Bürgerschaftswahlen. Und gestern nun bekam ich einen Din-A-4-Umschlag mit der Aufschrift: „Wichtige Wahlunterlagen!“.

Diese Wahlunterlagen entpuppten sich als 33-seitiger Musterstimmzettel plus Anschreiben und einem bunten Erklärblatt. Der Landeswahlleiter Willi Beiß fühlte sich bemüßigt, mich schnell noch zu schulen, bevor er mich am 20. Februar ins Wahllokal schickt.

Um zu kapieren, wen ich wie mit wieviel Stimmen wählen kann / soll, könnte ich in der Tat eine Schulung gebrauchen. In diesem Musterstimmzettel-Heft gibt es Landeslisten und Wahlkreislisten und Bezirkslisten und Listenlistenlisten und es stehen gefühlt die Namen aller Hamburger drin, so viele Menschen stellen sich in irgendeiner Form zur Wahl. Und jeder Wähler hat 20 Stimmen, die er nun nach Gutdünken verteilen kann.

Früher hatte ich zwei Stimmen, eine für die Partei, eine für meinen Lieblingskandidaten, Ende, aus, Applaus. Hat auch funktioniert.
Jetzt muss ich mir im Grunde die Zeit nehmen und mich einlesen, um zu verstehen, was genau ich wie wähle und wer dann in die Bürgerschaft einzieht.

Aber wer um alles in der Welt hat denn dafür Zeit?!? Sich bezüglicher dieser Wahlen zu informieren mutiert gerade zum Vollzeit-Job, denn ich muss mich ja auch noch schlau machen, welche Partei mir was verspricht (und dann doch nicht einhält, polemisch, ich weiß…), wenn ich sie wähle.

Ich kann ja mal zu meinem Sohn sagen, Liebelein, ich kann jetzt nicht mit Dir spielen, ich muss mich über die Wahlen informieren. Bin mal gespannt, was er dann sagt, vermutlich aber das gleiche wie sonst auch: „Bau ma Turm, ja?“ oder „Bisschen Auto gucken, ja?“.

Vielleicht bin ich ja besonders einfältig, dass ich diesen Wahlprozess nicht gleich erfasse. Aber ich fürchte, damit stehe ich nicht alleine da. Mit einem derartig verkomplizierten Wahlvorgang wird man die Wahlbeteiligung meines Erachtens nicht erhöhen. Und dann reichen die Stimmen wieder nicht für eine eindeutige Entscheidung und die Parteien verstricken sich in endlosen Verhandlungen, die dann wieder zu irgendwelchen auf Dauer nicht tragfähigen Koalitionen führen.

Ach, das macht mich irgendwie so müde...

Sonntag, 6. Februar 2011

Stell' Dir vor, es ist Wahl und keiner geht hin...

Hier in Hamburg wird ja am 20. Februar die Bürgerschaft neu gewählt. Und da hat man im Moment das Gefühl, sämtliche Parteien haben ihre Sparstrümpfe aufgeribbelt und das Geld für Werbeplakate ausgegeben.

Man kann kaum treten, ohne dass einen einer der Bürgerschaftskandidaten anlächelt (FDP), angrinst (ÖDP) oder ernst und vertrauenheischend anschaut (SPD).

Am meisten nervt mich derzeit das Wahlplakat der FDP mit der Bürgerschaftskandidatin KatJA (wahnsinns Wortspiel übrigens…) Suding.


Ich meine, worum geht es da?!? Will sie in die Bürgerschaft oder in den Otto-Katalog? Soll ich sie wählen oder die Regenjacke kaufen? Was soll ich denn von einer Politikerin halten, die posiert, als stünde sie vor einem von Heidi Klums Fotografen-Freunden?
Aber sie ist halt hübsch und sie möchte gerne Politik machen und da ist sie dann eben in die FDP eingetreten und nun darf sie mit der Westerwelle zum Galadinner und wer weiß, vielleicht wird sie mal Familienministerin.

Der Kandidat der SPD, Olaf Scholz setzt da mehr auf lässige Seniorität. Ich soll ihm einfach mal vertrauen, er macht das dann schon. Ernst, manchmal mit einem leichten Lächeln blickt er mich an und verschlagwortet seine Regierungsziele auf dem Plakat mit Begriffen wie „Vertrauen“. „Verantwortung“. „Vernunft“. Na ja.

Ganz anders hingegen der ÖDP-Kandidat, der in Bayern den Volksentscheid für das totale Rauchverbot in Kneipen und Gaststätten durchgesetzt hat. Der hat vermutlich der plakat-entwerfenden Werbeagentur einfach irgendein Privatfoto gegeben, vor dessen Aufnahme er nicht mal in den Spiegel geschaut hat, geschweige irgendeinen Aufwand betrieben hat, um senior bzw. positiv rüber zu kommen.

Nur bei den Linken ist niemand drauf zu sehen, die beschränken sich auf knackige Parolen wie „Hartz IV abwählen“ und „Reichtum besteuern“ (na ja, jeder so, wie er’s mal gelernt hat, näch…).

Ich weiß, Wahlwerbung muss ja sein, sonst sind noch Wahlen und keiner geht hin oder man geht hin und, oh Schreck, weiß nicht, wen man wählen soll… Aber dieser Plakatierungswahn im Moment ist einfach nur anstrengend.