Heute habe ich nach längerer Zeit mal wieder meinen Sohn in die Kita gebracht. Normalerweise macht das ja mein Göttergatte auf dem Weg zur Arbeit, aber heute war ich mal dran.
Als ich ihn dann so an den Frühstückstisch zu den anderen Kindern gesetzt habe, schaute er mich, sein derzeitiges Lieblings-Auto (Audi TT, silberfarben) fest in seiner kleinen Hand umklammert, sehr ernst aus großen Augen an. Und *wuuuusch* bekam ich eine volle Breitseite vom schlechten Mütter-Gewissen um die Ohren gehauen.
Trotzdem ich weiß, dass er sich in der Kita wohlfühlt, gerne hingeht und die Erzieherinnen wirklich liebevoll und umsorgend mit den Kleinen umgehen, obwohl ich weiß, dass es ihm und seiner Entwicklung gut tut, in der Kita mit anderen Kindern zusammen zu sein (so sozialkompetenzmäßig), brach es mir völlig unerwartet immer noch fast das Herz, ihn dort zu lassen.
Und da frage ich mich doch ernsthaft, warum ich so bescheuert bin. Liegt das in der Natur des Mutter-Seins, so zu fühlen?? Also sprich, es ist genetisch festgelegt und somit unumgänglich? Und wird es wenigstens irgendwann mal weniger?
Meine Hebamme, eine wie ich finde, sehr weise Frau, sagte mal zu mir, das schlechte Gewissen und die ständige Angst ums Kind sind die dunkle Seite der Mutterliebe.
Sozusagen systemimmanent.
Dies alles steht im Kleingedruckten der Stellenbeschreibung „Senior Educating Officer“ (oder kurz „Mutter“), aber man kann es leider nicht lesen durch die rosarote Brille, die man hormonbedingt in der Schwangerschaft aufhat.
Wenn dann diese rosarote Brille irgendwann runter fällt (so ungefähr vier Wochen nach der Geburt), ist es zu spät zum Nachverhandeln der Konditionen.
Na ja. Welcher Job ist schon perfekt…
Schön, dass Du vorbei schaust...
Hallo und herzlich Willkommen in meiner Welt!
Hier schreibe ich über die Dinge, die ich so erlebe, Lustiges, Kurioses, Ärgerliches... Über all das, was jedem von uns jeden Tag im Alltag widerfährt und wo man vielleicht denkt, wieso schreibt da eigentlich nicht mal einer drüber?
Was ich schreibe, kann man gut finden, muss man aber nicht. Kann man kommentieren, muss man aber nicht. Frei nach dem Motto: Alles geht, nichts muss.
In diesem Sinne: viel Spaß!
Deine Violet
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Was ich schreibe, kann man gut finden, muss man aber nicht. Kann man kommentieren, muss man aber nicht. Frei nach dem Motto: Alles geht, nichts muss.
In diesem Sinne: viel Spaß!
Deine Violet
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Montag, 29. November 2010
Montag, 19. Juli 2010
Wegfahren ohne Kind – Luxus oder Schwerbrechen?
Mein Mann und ich planen ein Wochenende ohne Kind wegzufahren. Freitagabend hin und Sonntagabend zurück. Während dieser Zeit passen die Eltern meines Mannes auf unser Kind auf.
Und da dies etwas ist, was uns gut tun würde, was mir gut tun würde, klopft natürlich anlässlich dieser Überlegungen auch wieder meine gute Freundin, das schlechte Gewissen, an.
„Wie - “ sagt sie, „Du willst tatsächlich Dein eigen Fleisch und Blut, Deinen größten Schatz ohne zwingenden Grund (wie zum Beispiel Arbeiten oder Tod) für mehr als zwei Minuten alleine lassen?“ [Anmerkung der Autorin: das ist die Zeit, die ich habe, um alleine auf die Toilette zu gehen, danach hat mein Kind, welches vorher noch ganz vertieft in seinem Zimmer spielte, mich bereits wieder geortet und kommt freudestrahlend ins Bad…] „Was bist’n Du für eine miese Mutter?“
Für mein schlechtes Gewissen komme ich mit dem bloßen Gedanken an ein kindfreies Wochenende gleich nach den Müttern, die ihre Kinder misshandeln und verhungern lassen, um auf Malle mit ihrem neuen Liebhaber ihr Hartz-IV durchzubringen.
Damit stellt sich also die Frage, darf man sein knapp anderthalbjähriges Kind auch mal ein Wochenende bei den Großeltern lassen?
Hier gibt es natürlich wieder mehrere Antworten. „Nein! Niemals!“ schreien die richtigen Muttis, die bereits Schweißausbrüche bei dem Gedanken bekommen, ihr Kind nur für fünf Minuten jemand anderem auf den Arm zu geben und denen Panik die Luft abschnürt, wenn ihr kleiner Engel sich auf dem Spielplatz mehr als einen Meter von ihnen entfernt. Diese Mütter würden sich eher ein Bein abhacken, als ihr Kind vor dem 18. Geburtstag zu fremden Leuten zu geben.
„Ja, warum denn nicht?“ sagen die sorglosen Kindsväter, die ja wissen, dass der kleine Schatz bei Oma und Opa in den besten Händen ist.
„Mist, ich weiß nicht…“ sagen wohl die meisten Mütter, hin und hergerissen zwischen dem Wunsch, nur mal für 48 Stunden nicht nur Mutter, sondern auch mal wieder Ehefrau oder gar, oh Schockschwere Not, Geliebte! zu sein und den grauenvollsten Fantasien, was alles passieren könnte, wenn frau ihr Kind alleine lässt (mal ganz abgesehen von der Sehnsucht nach den kleinen Ärmchen, die sich um den Hals schlingen, den leuchtenden Augen, dem glucksenden Lachen und dem kleinen Stimmchen, das so herzerwärmend „Mama“ sagt).
Nächste Frage, die sich stellt, ab wann dürfte man den überhaupt daran denken, sein Kind für 48 Stunden bei den Großeltern zu lassen?
Auch hier gibt es wieder mehrere Antworten. „Na ja, wenn es so fünf oder sechs ist… vielleicht…“ piepsen die Vollblut-Muttis und haben schon jetzt Tränen in den Augen bei dem Gedanken daran.
„Hm, wenn es so 6 Monate alt ist?“ tippen die wie immer unbekümmerten Kindsväter.
„Mist, ich weiß nicht…“ sagen die restlichen Mütter und kämpfen mit ihren widerstreitenden Gefühlen. Der Verstand sagt, es ist ok, wenn das Kind mit 16 Monaten ein Wochenende nur mit den Großeltern verbringt. Der Verstand sagt auch, dass es für die Mutter und die Beziehung zum Kindsvater außerordentlich vorteilhaft wäre, mal wieder ein Paar zu sein und nicht nur Eltern (vielleicht würde man sich dann für einige Zeit nicht mehr über die offene Zahnpastatube streiten…).
Der Bauch stellt unangenehme Fragen (ist wohl der Bruder vom schlechten Gewissen…), z.B. „Ist das wirklich eine gute Idee, das Kind so früh schon zwei Nächte alleine zu lassen? Könntest Du ihn nicht mitnehmen und wäre das nicht viel schöner? Was, wenn während Ihr Euch amüsiert, das Kind krank wird und ins Krankenhaus muss oder etwas Schlimmes passiert?“ (Hier geht dann der bereits angesprochene Horrorfilm mit den schrecklichsten Bildern los, was alles passieren kann!)
Wie immer in solchen Zwickmühlen gibt es keine Antwort, was richtig oder falsch ist. Hilfreich ist an dieser Stelle nur, tief durchzuatmen und in sich hineinzuhorchen, was sich richtig anfühlt. Und wenn es sich zum aktuellen Zeitpunkt nun mal noch nicht richtig anfühlt, ein kindfreies Wochenende zu genießen, dann muss man eben noch etwas warten, bis der innere Zensor sein OK gibt.
Aber wenn man das Gefühl hat, es würde einem selbst und der Partnerschaft gut tun, dann sollte man losfahren! Man muss ja nicht gleich ein Wochenende in Paris planen, sondern kann in greifbarer Nähe bleiben, so dass man im Notfall schnell zurück kommen kann. Und sowohl für das Kind als auch für die Großeltern ist ein gemeinsames Wochenende ein Riesenspaß. Das Kind wird ohne Ende verwöhnt und darf endlich mal alles essen und tun, was ihm seine vernünftigen Eltern sonst verbieten. Und die Großeltern haben endlich mal richtig viel Zeit mit ihrem Enkel.
Und das ist dann endlich mal eine „Win-Win“-Situation für alle Seiten!
Und da dies etwas ist, was uns gut tun würde, was mir gut tun würde, klopft natürlich anlässlich dieser Überlegungen auch wieder meine gute Freundin, das schlechte Gewissen, an.
„Wie - “ sagt sie, „Du willst tatsächlich Dein eigen Fleisch und Blut, Deinen größten Schatz ohne zwingenden Grund (wie zum Beispiel Arbeiten oder Tod) für mehr als zwei Minuten alleine lassen?“ [Anmerkung der Autorin: das ist die Zeit, die ich habe, um alleine auf die Toilette zu gehen, danach hat mein Kind, welches vorher noch ganz vertieft in seinem Zimmer spielte, mich bereits wieder geortet und kommt freudestrahlend ins Bad…] „Was bist’n Du für eine miese Mutter?“
Für mein schlechtes Gewissen komme ich mit dem bloßen Gedanken an ein kindfreies Wochenende gleich nach den Müttern, die ihre Kinder misshandeln und verhungern lassen, um auf Malle mit ihrem neuen Liebhaber ihr Hartz-IV durchzubringen.
Damit stellt sich also die Frage, darf man sein knapp anderthalbjähriges Kind auch mal ein Wochenende bei den Großeltern lassen?
Hier gibt es natürlich wieder mehrere Antworten. „Nein! Niemals!“ schreien die richtigen Muttis, die bereits Schweißausbrüche bei dem Gedanken bekommen, ihr Kind nur für fünf Minuten jemand anderem auf den Arm zu geben und denen Panik die Luft abschnürt, wenn ihr kleiner Engel sich auf dem Spielplatz mehr als einen Meter von ihnen entfernt. Diese Mütter würden sich eher ein Bein abhacken, als ihr Kind vor dem 18. Geburtstag zu fremden Leuten zu geben.
„Ja, warum denn nicht?“ sagen die sorglosen Kindsväter, die ja wissen, dass der kleine Schatz bei Oma und Opa in den besten Händen ist.
„Mist, ich weiß nicht…“ sagen wohl die meisten Mütter, hin und hergerissen zwischen dem Wunsch, nur mal für 48 Stunden nicht nur Mutter, sondern auch mal wieder Ehefrau oder gar, oh Schockschwere Not, Geliebte! zu sein und den grauenvollsten Fantasien, was alles passieren könnte, wenn frau ihr Kind alleine lässt (mal ganz abgesehen von der Sehnsucht nach den kleinen Ärmchen, die sich um den Hals schlingen, den leuchtenden Augen, dem glucksenden Lachen und dem kleinen Stimmchen, das so herzerwärmend „Mama“ sagt).
Nächste Frage, die sich stellt, ab wann dürfte man den überhaupt daran denken, sein Kind für 48 Stunden bei den Großeltern zu lassen?
Auch hier gibt es wieder mehrere Antworten. „Na ja, wenn es so fünf oder sechs ist… vielleicht…“ piepsen die Vollblut-Muttis und haben schon jetzt Tränen in den Augen bei dem Gedanken daran.
„Hm, wenn es so 6 Monate alt ist?“ tippen die wie immer unbekümmerten Kindsväter.
„Mist, ich weiß nicht…“ sagen die restlichen Mütter und kämpfen mit ihren widerstreitenden Gefühlen. Der Verstand sagt, es ist ok, wenn das Kind mit 16 Monaten ein Wochenende nur mit den Großeltern verbringt. Der Verstand sagt auch, dass es für die Mutter und die Beziehung zum Kindsvater außerordentlich vorteilhaft wäre, mal wieder ein Paar zu sein und nicht nur Eltern (vielleicht würde man sich dann für einige Zeit nicht mehr über die offene Zahnpastatube streiten…).
Der Bauch stellt unangenehme Fragen (ist wohl der Bruder vom schlechten Gewissen…), z.B. „Ist das wirklich eine gute Idee, das Kind so früh schon zwei Nächte alleine zu lassen? Könntest Du ihn nicht mitnehmen und wäre das nicht viel schöner? Was, wenn während Ihr Euch amüsiert, das Kind krank wird und ins Krankenhaus muss oder etwas Schlimmes passiert?“ (Hier geht dann der bereits angesprochene Horrorfilm mit den schrecklichsten Bildern los, was alles passieren kann!)
Wie immer in solchen Zwickmühlen gibt es keine Antwort, was richtig oder falsch ist. Hilfreich ist an dieser Stelle nur, tief durchzuatmen und in sich hineinzuhorchen, was sich richtig anfühlt. Und wenn es sich zum aktuellen Zeitpunkt nun mal noch nicht richtig anfühlt, ein kindfreies Wochenende zu genießen, dann muss man eben noch etwas warten, bis der innere Zensor sein OK gibt.
Aber wenn man das Gefühl hat, es würde einem selbst und der Partnerschaft gut tun, dann sollte man losfahren! Man muss ja nicht gleich ein Wochenende in Paris planen, sondern kann in greifbarer Nähe bleiben, so dass man im Notfall schnell zurück kommen kann. Und sowohl für das Kind als auch für die Großeltern ist ein gemeinsames Wochenende ein Riesenspaß. Das Kind wird ohne Ende verwöhnt und darf endlich mal alles essen und tun, was ihm seine vernünftigen Eltern sonst verbieten. Und die Großeltern haben endlich mal richtig viel Zeit mit ihrem Enkel.
Und das ist dann endlich mal eine „Win-Win“-Situation für alle Seiten!
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Wochenende
Freitag, 9. Juli 2010
Schlechtes Gewissen
Das schlechte Gewissen gehört zur Grundausstattung einer Mutter. Man hat eigentlich permanent ein schlechtes Gewissen, wegen allem. Bevor man Kinder bekommt, weiß man davon nichts und wenn es einem einer erzählt, glaubt man es nicht. Quatsch, weswegen sollte ich denn ein schlechtes Gewissen haben?
Dafür gibt es ungefähr eine Millionen Gründe. Egal, was man tut oder nicht tut, das schlechte Gewissen ist wie der Igel in der Geschichte von selbigen und dem Hasen: es ist schon da.
Irgendwo mal in Ruhe einen Kaffee trinken? Peng, da ist es schon: Wieso sitzt Du hier und trinkst Kaffee, ach ja, Du hast ja Dein Kind in die Kita abgeschoben.
Man selbst ist krank, das Kind ist quengelig und man wird ungeduldig? Poff, schon ist es da: Wie, Du bist grad genervt von Deinem süßen Engel? Wegen ein bisschen Schnupfen und weil er oder sie gerade etwas unleidlich ist? Jetzt reiß’ Dich aber mal zusammen!
Man zieht sein Kind immer irgendwie zu dick oder zu dünn an (dies kommt immer dann besonders zum tragen, wenn das Kleine krank ist), gibt ihm immer irgendwas zu essen, was irgendwie nicht gut ist (Keks bei Quengeligkeit, oh, ganz, ganz schlecht, das schafft Frustesser und die Essstörung bzw. die Fettleibigkeit ist vorprogrammiert und Mutter trägt Schuld!), kümmert sich im Grunde immer zu wenig um sein Kind und könnte eigentlich immer mehr tun (schließlich gibt es ja Mütter, die Barockperücken aus Klopapierrollen basteln und ganze Herbarien aus der beim gemeinsamen Spaziergang in der Natur gesammelten Flora zu erstellen).
Wie, der Kuchen ist nur aus einer Backmischung oder gar, pfui Spinne, gekauft?? Die Mutter von Lisa backt sechsstöckige Buttercremetorten ganz nebenbei, wenn sie von der Arbeit kommt. Und die Mutter von Veit hatte schon nach drei Wochen ihr Vor-Schwangerschafts-Gewicht zurück und geht jede Woche dreimal zum Sport.
Überhaupt, der Veit. Der wird wenigstens richtig gefördert. Der ist in einer zweisprachigen (oder in schick: in einer bilingualen) Kita und geht außerdem zur musikalischen Frühförderung, zum frühkindlichen kreativen Gestalten und in die Zwergen-Karate-Gruppe. Während das eigene Kind das Bilderbuch beim Anschauen immer noch falsch herum hält.
Und krawum, da ist es wieder: das ganz, ganz schlechte Gewissen und das Bewusstsein, als Mutter mal wieder total versagt zu haben.
Mütter sind nicht krank, nicht müde, nicht genervt, nicht angespannt. Sie schreien nicht, sie haben Geduld und immer ein Lächeln auf den Lippen. Mütter sind immer tolerant, haben immer Zeit, gute Laune und kreative Ideen für ihr Kind. Sie brauchen keine Zeit für sich, wozu, Zeit mit den lieben Kleinen ist doch wie Zeit für sich.
Klappt bei mir leider nicht.
Woher kommt es bloß, das schlechte Gewissen? Es kommt daher, weil wir uns ständig vergleichen. Mit den Müttern aus unserem näheren Umfeld, aber auch mit den prominenten Super-Muttis, die alles unter einen Hut bekommen und sich ständig richtig um ihre Brut kümmern. Wir bekommen dauernd gesagt und vermeintlich vorgelebt, wie eine Mutter zu sein hat. Und wir springen wider besseren Wissens voll darauf an.
Und so manches Mutterbild, das so im Umlauf ist, ist schon so alt, dass es schon ziemlich bräunlich ist.
Was also tun gegen das schlechte Gewissen? Nicht mehr vergleichen? Sicherlich die beste Lösung. Funktioniert aber nicht. Auch wenn man weiß, dass man’s nicht tun soll, tut man’s trotzdem.
Interessanterweise scheinen Männer überhaupt niemals ein schlechtes Gewissen zu haben. Selbst wenn sie ihre Frauen oder das Finanzamt oder die Bürger, von denen sie gewählt wurden, betrügen, machen sie dies mit einem wahren Teflongemüt: es gleitet einfach alles an ihnen ab. Ob dies ein genetischer Defekt ist? Oder gar eine von der Evolution geplante Mutation?
Dafür gibt es ungefähr eine Millionen Gründe. Egal, was man tut oder nicht tut, das schlechte Gewissen ist wie der Igel in der Geschichte von selbigen und dem Hasen: es ist schon da.
Irgendwo mal in Ruhe einen Kaffee trinken? Peng, da ist es schon: Wieso sitzt Du hier und trinkst Kaffee, ach ja, Du hast ja Dein Kind in die Kita abgeschoben.
Man selbst ist krank, das Kind ist quengelig und man wird ungeduldig? Poff, schon ist es da: Wie, Du bist grad genervt von Deinem süßen Engel? Wegen ein bisschen Schnupfen und weil er oder sie gerade etwas unleidlich ist? Jetzt reiß’ Dich aber mal zusammen!
Man zieht sein Kind immer irgendwie zu dick oder zu dünn an (dies kommt immer dann besonders zum tragen, wenn das Kleine krank ist), gibt ihm immer irgendwas zu essen, was irgendwie nicht gut ist (Keks bei Quengeligkeit, oh, ganz, ganz schlecht, das schafft Frustesser und die Essstörung bzw. die Fettleibigkeit ist vorprogrammiert und Mutter trägt Schuld!), kümmert sich im Grunde immer zu wenig um sein Kind und könnte eigentlich immer mehr tun (schließlich gibt es ja Mütter, die Barockperücken aus Klopapierrollen basteln und ganze Herbarien aus der beim gemeinsamen Spaziergang in der Natur gesammelten Flora zu erstellen).
Wie, der Kuchen ist nur aus einer Backmischung oder gar, pfui Spinne, gekauft?? Die Mutter von Lisa backt sechsstöckige Buttercremetorten ganz nebenbei, wenn sie von der Arbeit kommt. Und die Mutter von Veit hatte schon nach drei Wochen ihr Vor-Schwangerschafts-Gewicht zurück und geht jede Woche dreimal zum Sport.
Überhaupt, der Veit. Der wird wenigstens richtig gefördert. Der ist in einer zweisprachigen (oder in schick: in einer bilingualen) Kita und geht außerdem zur musikalischen Frühförderung, zum frühkindlichen kreativen Gestalten und in die Zwergen-Karate-Gruppe. Während das eigene Kind das Bilderbuch beim Anschauen immer noch falsch herum hält.
Und krawum, da ist es wieder: das ganz, ganz schlechte Gewissen und das Bewusstsein, als Mutter mal wieder total versagt zu haben.
Mütter sind nicht krank, nicht müde, nicht genervt, nicht angespannt. Sie schreien nicht, sie haben Geduld und immer ein Lächeln auf den Lippen. Mütter sind immer tolerant, haben immer Zeit, gute Laune und kreative Ideen für ihr Kind. Sie brauchen keine Zeit für sich, wozu, Zeit mit den lieben Kleinen ist doch wie Zeit für sich.
Klappt bei mir leider nicht.
Woher kommt es bloß, das schlechte Gewissen? Es kommt daher, weil wir uns ständig vergleichen. Mit den Müttern aus unserem näheren Umfeld, aber auch mit den prominenten Super-Muttis, die alles unter einen Hut bekommen und sich ständig richtig um ihre Brut kümmern. Wir bekommen dauernd gesagt und vermeintlich vorgelebt, wie eine Mutter zu sein hat. Und wir springen wider besseren Wissens voll darauf an.
Und so manches Mutterbild, das so im Umlauf ist, ist schon so alt, dass es schon ziemlich bräunlich ist.
Was also tun gegen das schlechte Gewissen? Nicht mehr vergleichen? Sicherlich die beste Lösung. Funktioniert aber nicht. Auch wenn man weiß, dass man’s nicht tun soll, tut man’s trotzdem.
Interessanterweise scheinen Männer überhaupt niemals ein schlechtes Gewissen zu haben. Selbst wenn sie ihre Frauen oder das Finanzamt oder die Bürger, von denen sie gewählt wurden, betrügen, machen sie dies mit einem wahren Teflongemüt: es gleitet einfach alles an ihnen ab. Ob dies ein genetischer Defekt ist? Oder gar eine von der Evolution geplante Mutation?
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